Aus- ≠ Aufwändig

Wie und wo es sich nebenbei lernen lässt

Häufiges Wiederholen ist beim Auswendiglernen das A und O. Doch nicht nur die Anzahl der Wiederholungen entscheidet dabei über den Erfolg. Damit die gelernten Fakten nicht durcheinander geraten, empfielt es sich die Lernphasen deutlich voneinander abzutrennen. So kann das gerade Gelernte erst mal "sacken", bevor neue Fakten hinzukommen.

Nebenbei auswendiglernen - Wie und Wo - LernTipp #005 auf www.chartflipper.de

Ortswechsel für individuelle Speicherplätze im VIP-Bereich

Verteilt man die Lerneinheiten außerdem noch an unterschiedliche Orte, so verbinden sich die Fakten in der Erinnerung mit den Eindrücken, der Stimmung und den Emotionen, die dort auf uns gewirkt haben.

  • Zum einen befördert dies die Nachhaltigkeit des "Abspeicherns": Je mehr Erlebnisse und Emotionen mit einer Information verknüpft sind, desto relevanter stuft das Hirn sie für unser (Über‑)Leben ein.
  • Zum anderen hilft das Lernen an unterschiedlichen Orte, die Fakten voneinander zu trennen. So können mehr Lerneinheiten in kürzerer Zeit absolviert werden.

Minutenschneller Ortswechsel

Um an unterschiedlichen Orten zu lernen, müssen keine großen Distanzen zurückgelegt werden. Entscheidend sind die unterschiedlichen Eindrücke, Stimmungen und Emotionen, die die Orte hervorrufen.
Diese können sich schon ändern, setzt man sich mal auf statt an den Tisch.

Der Liegestuhl auf dem Balkon, die Bank vor'm Haus, der Spielplatz um die Ecke - alles ohne großen Aufwand zu erreichen. 

Andere Orte ohne Mehraufwand - Wir kommen ja ohnehin dran vorbei...

Hier fünf weitere Lernorte, die der Alltag uns bietet und wie Ihr sie optimal nutzt:

Lernen im Badezimmer - LernTipp #005 auf www.chartflipper.de

Fast 36 Minuten1 verbringen wir täglich im Badezimmer. Dass sich diese Zeit in mehreren Abschnitten über den ganzen Tag verteilt, macht sie für das Nebenbeilernen ganz besonders interessant. Eine besonders prominente Stelle ist sicherlich der Spiegel über dem Waschbecken, doch auch in der Dusche findet sich ein halbwegs trockenes Plätzchen für die ein oder andere Lernkarte.
Beide Orte sind auch für umfangreichere Lerninhalte geeignet. Konzentrier Dich dort am besten so viele Tage lang nur auf eine der Karte, bis deren Stoff sitz.

Lernen im Vorübergehen - LernTipp #005 auf www.chartflipper.de

Auch Türen und Flure sind als Galerie für Lernstoff geeignet. Da wir dort nur ganz kurz verweilen, eignen sich diese Orte vor allem für graphische Inhalte und solche, die in sehr kleinen "Schnipseln" aufgenommen werden können. So hingen bei mir dort schon Maschinen und Abläufe, deren einzelne Teile, Schritte und Eigenschaften ich benennen können musste.

  • Beim Drauf zu gehen: Sich selbst abfragen
  • Anhalten: Überprüfen, ggf. neues Detail mitnehmen
  • Weitergehen: Eselsbrücke bauen / sich selbst erklären
Gelerntes "sackenlassen" beim Sport

Nicht nur um den Kopf frei zu bekommen - auch als Gelegenheit zum "Sackenlassen" taugt der Sport. Beim Walken oder Schwimmen gehen mir die ersten zehn Minuten ohnehin die Themen und Fragen des Tages durch den Kopf. Diese Zeit ist besonders fruchtbar, wenn man sich kurz vor dem Training noch mit ein paar Fakten "geimpft" hat. Auch für die Fragen, die einem "mitten im Flow" kommen, ist es gut, wenn die Karten später in der Tasche warten. Die restlichen 20 oder 30 Minuten gehören dann aber nur Dir und dem Sport!

Lernen unterwegs - LernTipp #005 auf www.chartflipper.de

Gerade wenn wir mit Bus und Bahn unterwegs sind (oder auf sie warten) haben wir viel Leerlauf. Wollen wir auch dort lernen, ist ein wenig Vorbereitung nötig. Gut, wenn wir unsere Lernkarten (Original oder auch Kopien für die Hosentasche) dabei haben. Apps, wie Ankidroid bzw. AnkiMobile2 sind vor allem dann interessant, wenn man sie ohnehin schon zuhause auf dem Computer, online oder auf dem Tablet nutzt. Um unterwegs immer auch Lernkarten dabei zu haben reichen aber auch Fotos von diesen auf dem Handy.

Lernen vor'm Zubettgehen - LernTipp #005 auf www.chartflipper.de

Die Nachtruhe bietet die wohl längste Zeit zum "Sackenlassen" des Gelernten. Wer vor dem Einschlafen nochmal das Gelernte des Tages durchgeht, nutzt diese Zeit ganz besonders intensiv.
Das Lernen neuer Fakten wäre zu diesem Zeitpunkt eher kontraproduktiv. Vielmehr sollte das Wiederholen in einer entspannten Stimmung geschehen. So gelingt das Hinübergleiten in den Schlaf und die Übergabe der Gedanken und Bilder des Tages an die "Nachschicht" des Geistes am besten.

1 Quelle: Sueddeutsche.de

Anki (PC, Mac, Linux) und die Apps Ankidroid (Android) bzw. AnkiMobile (iOS) sind Programme um Karteikarten zu lernen. Untereinander können sie die Karteikarten und den Lernfortschritt über das Internet synchronisieren. Ich kann sie mit den folgen Einschränkungen empfehlen...nämlich, wenn...

  1. ...noch genügend Zeit bis zur Klausur bleibt: Anki nutzt einen intelligenten Ablauf, in dem neue Karten aus einem Stapel gelernt und das "Sitzen" der alten immer wieder geprüft wird. Damit dieser greift, sollte eine geplante Lernzeit von mehreren Tagen eingegeben werden.
  2. ...man sich auf dieses intelligente Wiederholen einlassen kann. Ich wollte am Ende doch immer auch echte Karteikarten aus Papier, um meinen Fortschritt tatsächlich "vor Augen" und den Ablauf des Wiederholens (unmittelbar vor der Klausur) "in der eigenen Hand" zu haben.

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