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Graphic Recording vs. Sketchnotes

Die Unterschiede sehen größer aus, als sie sind

Zwei Geschwister streiten sich.
Dabei sind sie Kinder ein und des selben Gedankens:
Visuell angereichertes Notieren, Protokollieren und Festhalten…. 

Graphic Recording vs. Sketchnotes - Unterschiede, ja - Gemeinsamkeiten aber eben auch

Die beiden begegnen uns unter immer mehr Namen und in ganz unterschiedlich wirkenden Erscheinungsformen. 

  • Graphic Recording, oft auch Graphical Recording oder gar Grafik Rekording wenn es um  Konferenzprotokolle geht 
  • Sketchnotes, Sketch Notes oder Visual Notes oft im Lern- aber auch immer mehr im Arbeitskontext 
  • Doodles, Scribbles, Scribes sind ebenfalls oft verwendete alternative Titulierungen – mal als Synonym verwendet – mal als Name für die niedliche kleine Schwester der beiden oben genannten (Die Verniedlichung kann, muss aber nicht abwertend gemeint sein.) 

Oft werden die Begriffe aber auch wild durcheinander und für alle möglichen Erscheinungsformen des visuell ansprechenden Aufzeichnens verwendet. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn die beiden Geschwister verbindet am Ende viel mehr, als sie trennt. 

 

Worin unterscheiden sie sich tatsächlich?
...und was ist nun das passende Mittel der Wahl...?


Die Zielgruppe - Tatsächlicher Unterschied - No1

Während ein Graphic Recording für die gesamten Zuschauer einer Veranstaltung gedacht ist, sind Sketchnotes ganz persönliche Aufzeichnungen, die - zunächst und vor allen Dingen – für den Sketchnoter selbst gedacht sind. 

 

Daraus resultieren dann die vielen kleinen und größeren Unterschiede. In seinem Arbeiten muss sich dabei weder der Sketchnoter noch der Graphic Recorder in irgendeiner Form einschränken lassen. Viel wichtiger als der Name der Strategie, sind die Ziele, die damit erreicht werden sollen. 


Die Ziele - Tatsächlicher Unterschied – No2

Sketchnotes helfen dem, der sie anfertigt dabei, 

  • sich beim Zuhören besser zu konzentrieren 
  • das Gehörte besser zu durchdringen  
  • sich besser in den Notizen zurechtzufinden und 
  • die Inhalte leichter zu erinnern und langanhaltend lernen zu können 

 Graphik Recording dagegen ist eine Dienstleistung für die restlichen Zuhörer im Auditorium. Für sie bietet es 

  • eine Zusammenfassung der Vorträge, Diskussionen oder des Workshops 
  • eine bleibende Erinnerung an das Event selbst und vor allem an dessen Inhalte 
  • einen weiteren, visuellen Zugang zu den Themen 
  • zusätzlich eine humorvolle Spiegelung der Themenzusammenhänge (bei chartflipper) 
  • ein Treffpunkt des Zusammenkommens und des Austausches (in den Pausen und nach der Veranstaltung) 
  • Anregungen für Diskussionen über die Themen (ebenfalls in den Pausen, nach der Veranstaltung, aber eben auch als festen Programmpunkt) 
  • ein Bild, das für eine gelungene und interessante Veranstaltung steht und sehr gerne auch von den Teilnehmern fotografiert und auf vielen unterschiedlichen Kanälen geteilt wird 

 

Letzteres gilt natürlich nur für den Fall, dass die Inhalte der Veranstaltung bzw. des Workshops für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Graphic Recording kann auch interne Workshops in Firmen begleiten. Zwar gehen dann die Bilder meist nicht per Social Media um die Welt – und ich hab auch kein Bild zum posten – dafür gibt es einen anderen Effekt: Immer wieder erzählen mir Auftraggeber, wie sehr sie und ihre Mitarbeiter vom Bild motiviert sind, das sie vom Workshop im Kopf haben. Am Graphic Recording laufen nämlich alle jeden Morgen vorbei. 

Zurück zur öffentlich Veranstaltung: Wenn es erlaubt ist, teilen die begeisterten Teilnehmer die selbst gemachten Fotos nämlich auf Facebook, Twitter und anderen Social Media Netzwerken. Trotz Internet ist auch das Zeigen von Handyfotos ein Ding: „Schau mal, darum gings gestern bei…“ 


Das Format – kein Dogma, sondern Mittel zum Zweck

So kommt es, dass Graphic Recordings meist sehr groß sind und neben, oder auch mit auf der Bühne stehen. In den Pausen kommen die Zuschauer gespannt nach vorne, um genau zu betrachten und nachzulesen, wie die zwischenzeitlich aufgekommenen Themen festgehalten wurden. 

 

Da ihnen keiner beim Entstehen zuschauen muss, außer dem Sketchnoter selbst, kann für Sketchnotes ein praktisches, kleines Format gewählt werden. Das kann ein Notizbuch sein, aber auch ein einzelnes Blatt Papier. Größer als DIN A4 sind diese Aufzeichnungen selten – können sich aber über mehrere Seiten erstrecken. 


Struktur und Bildsprache

Ebenfalls typisch für Graphic Recordings ist ein übergeordnetes, zur Gesamtveranstaltung und deren Intention passendes, grafisches Thema. Diese Grundmetapher wird dann in den strukturierenden Elementen des Recordings wieder aufgenommen. So ist die Struktur nicht nur leichter zu erkennen, sondern werden auch Zusammenhänge sichtbar, die Veranstaltern, Vortragenden oder Teilnehmern anders gar nicht (mehr) bewusst gewesen wären. Ebenso große Aha-Effekte ergeben sich auch beim oben erwähnten humorvollen Spielen mit den gemachten Aussagen und dabei verwendeten Formulierungen. So provoziert so manches Element eines Graphic Recordings auf humorvolle Weise dazu, Zusammenhänge nochmals von einer anderen Seite und mit etwas Abstand zu betrachten.  (Jeder Recording-Stil ist anders, ich spreche hier nur von einer erfolgreichen Art, Graphic Recordings durchzuführen.) 

 

Bei Sketchnotes sind die eingesetzten Bilder oft mehr in Form von Icons gestaltet, also kleinen, auf wenige Striche reduzierte Symbole. Sie sind besonders leicht inmitten der Notiz auszumachen und sind nicht selten Teil eine sehr ausgeklügelten Strukturierung. Symbol-Bedeutungen, wie "Achtung, wichtig!", "Idee" oder "Interessantes Praxisbeispiel" sind da nur die Spitze des Eisberges. Solche visuellen Tags sind ein gutes Beispiel für die hohe Personalisiertheit, die bei Sketchnotes möglich ist.


Schrift und Lettering

Ist es bei Sketch Notes weniger das comicartige Visualisieren, das ihre Erscheinungsform prägt, so haben sie sich oft einer anderen Spezialität verschrieben, nämlich der besonders aufwendig gestalteten Schrift: 

Das sogenannte Lettering und die ansprechende Gestaltung von Schrift im allgemeinen, zwar auch beim Graphik Recording wichtig, kann bei Sketchnotes aber noch viel ausgeprägtere, künstlerische Züge annehmen. Ab einem gewissen Punkt, beginnt das kalligraphische Züge anzunehmen. Ab da leidet dann zwangsweise die Lesbarkeit des Textes ein wenig. Aber nicht schlimm: Da bei Sketchnotes – wir erinnern uns – erst mal nur der Anfertigende selbst, seine Notizen lesen und verstehen muss, kann er in diesem Bereich getrost seinen Spaß haben.


Kein Streit – Lernt voneinander!

Wer einen Hammer benötigt, dem wird ein Schraubenzieher nicht viel helfen. Genauso wie das Hineindrehen von Schrauben mittels eines Hammers nur manchmal und dann auch nur scheinbar gut funktioniert. Spätestens beim Herausdrehen ist dann klar, was ein Schraubenzieher wert ist. 

Wer von den beiden nun Hammer und wer Schraubenzieher ist, das überlasse ich Eurer Fantasie...

Beide haben jedenfalls Ihre volle Berechtigung...
...und es gibt immerfort auf beiden Seiten tolle Tricks und Techniken, die sie voneinander lernen können.
Von dem großen Schatz der Gemeinsamkeiten gar nicht erst zu sprechen. Das ist mit mindestens einen weiteren Blogartikel wert.

Egal welche Methode das Mittel der Wahl sein wird:
Jede zielführende Auswahl beginnt immer mit den Zielen- und der Zielgruppe.

--- Ziel --- :-)


Tipps und Trainings

Wer Sketchnoting, Visualisieren, oder Graphik Recording lernen möchte, dem seien meine Trainings ans Herz gelegt: 

Trainings & Tutorials

Soll es besonders schnell gehen, übernehme ich natürlich auch das Sketchnoten, Graphic Recorden oder Visualisieren für Dich. Anschauen kostet nichts - Klaut Euch gerne verschwenderisch Ideen, dafür sind sie da ;-)


Wer gleich mal loslegen möchte, der schnappe sich Stift & Papier und drücke hier auf Play:

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